MTV trennt sich von seiner Call-in-Show. Endlich, möchte man beinahe sagen. Doch einige hielten sie tatsächlich für zeitgenössische Unterhaltung. Ein Kommentar von Quotenmeter.de-Redakteur Alexander Krei.
Vor mehr als sieben Jahren hat das Elend angefangen: Doch als tm3 im Jahr 2001 seine ersten Anrufshows ins Programm nahm, hätte wohl niemand damit gerechnet, dass Call-in-Shows einmal zur größten Fernseh-Seuche des Jahrzehnts würden. Die Gier der Zuschauer nach dem großen Geld machte sich für 9Live, wie der einstige Frauensender später heißen sollte, schnell bezahlt. Kein anderer Kanal war derart profitabel wie der kleine unscheinbare Sender, den eigentlich fast niemand sah.
Und wie das nun mal so ist, wenn einer Erfolg hat – andere ziehen schnell hinterher. Und so kam es, wie es kommen musste: Wie ein Tsunami breitete sich die Call-in-Flut aus, lange Zeit setzte selbst Sat.1 in seinem Nachtprogramm auf blöde Fragen und teure Telefonnummern, produziert vom familieneigenen Sender 9Live. Damit ist längst Schluss – nicht zuletzt, weil es immer wieder kritische Zuschauer waren, die so manche Ungereimtheit und womöglich auch so manchen Betrug in den tagtäglich laufenden Anrufshows der Nation festgestellt hatten.
Die Folge: Ein ruinierter Ruf, der die Zahl der Anrufer sinken ließ – ein Lied, das wahrscheinlich alle Call-in-Betreiber singen können. Auch die Verantwortlichen von MTV, die bis zuletzt ihren «Money Express» noch immer auf drei Sendern gleichzeitig um Mitternacht ausstrahlten. Skandale hat es um die Show zur Genüge gegeben, nun werden die Bürgersteige hochgeklappt.
Weil sich „die Zeit der Call-in-Formate wie «Money Express» in Deutschland dem Ende zuneigt“ und da die Sendung „nicht mehr den Ansprüchen an zeitgenössische TV-Unterhaltung“ entspreche, heißt es bei MTV. Doch hat sie das überhaupt jemals? So manch einer in führender Position scheint das tatsächlich zu glauben. Armes Fernseh-Deutschland – aber jetzt kannst Du aufatmen.
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