Die Kritiker

«Doctor's Diary»

von
Story
Pilot („Männer sind Schweine“):

Nachdem Gretchen ihren (Ex-)Freund im Bett mit einer anderen Frau überrascht hat, beschließt sie, nie wieder zu ihm zurückzukehren. Doch nun steht sie da: Ohne Mann und ohne Geld. Nun wird es Zeit, in dem Krankenhaus eine Karriere zu starten, in dem ihr Vater, der angesehene Professor Doktor Franz Haase, Chefarzt ist. Doch am ersten Tag trifft sie gleich auf eine alte Bekanntschaft: Marc Meier, der sie früher wegen ihres Gewichts und ihrer Zahnspange in der Grundschule gehänselt hat, steht plötzlich als zukünftiger Arzt neben ihr im Aufzug.

Was er nicht weiß: Weil sie ihm ein Mal das Leben rettete, entschied sie sich, Medizin zu studieren. Natürlich wird sie nicht für voll genommen und muss mit Beleidigungen aller Art klarkommen, die ihrem Ego nicht besonders gut tun. Doch sie kommen sich durch unglückliche Zufälle immer näher und Gretchens Tagebucheinträge werden immer optimistischer.

Folge 2 („Hilfe, ich brauche ein Date“):
Gretchen lebt weiterhin in ihren Träumen: Sie wünscht sich eine Welt mit kalorienfreier Schokolade und Männern, die noch versprechen, was sie halten. Wieder in der realen Welt angekommen, ist sie live dabei, als sich eine Frau aus Versehen im Baumarkt zwei ihrer Finger absägt. Später stellt sich heraus, dass sie eines der vielen Opfer von Marc Meier sind.

Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für den Hochzeitstag von Gretchens Eltern auf Hochtouren. Das einzige Problem: Sie hat keinen Partner und ihre Mutter, die sie mit aller Kraft verkuppeln möchte, geht ihr mit ihren Ratschlägen auf die Nerven. Darüber hinaus gibt es im Krankenhaus Zoff. Dr. Kaan hat mitbekommen, dass der „Neue“ mit Gabi rummacht, was ihm gar nicht gefällt. Das führt zu einigen Auseinandersetzungen...

Darsteller
Diana Amft («Mädchen, Mädchen») ist Gretchen Haase
Florian David Fitz («Meine verrückte türkische Hochzeit») ist Dr. Marc Meier
Kai Schumann («Schuld und Unschuld») ist Dr. Kaan
Julia Koschitz («Die Jäger des Ostsee-Schatzes») ist Dr. Hassmann
Peter Prager («Annas Alptraum kurz nach 6») ist Prof. Dr. Franz Haase
Ursela Monn («Wo ist Fred?») ist Bärbel Haase
Laura Osswald («Verliebt in Berlin») ist Gabi
Annette Strasser («Sperling») ist Sabine

Kritik
Der neuen deutschen RTL-Serie «Doctor's Diary» hat man wohl von Anfang an nicht viel Vertrauen geschenkt. Angepeilt war ein Ausstrahlungstermin im Herbst 2008, das Format sollte den Freitagabend auf Vordermann bringen. Nichts da: Der Starttermin wurde vorgezogen und so muss es die Serie mit der Endphase der Europameisterschaft aufnehmen.

Krankenhausserien sind anscheinend wieder schwer im Kommen. Von Formaten wie «Für alle Fälle Stefanie» oder «Dr. Stefan Frank – Der Arzt, dem die Frauen vertrauen» hat man sich mittlerweile deutlich distanziert. Als Idole sind nun eindeutig amerikanische Produkte («Dr. House», «Grey's Anantomy») zu nennen, in denen der Faktor Humor eine gewaltige Rolle spielt und es eher um Beziehungsgeflechte geht als um Herzinfarkte oder Bandscheibenvorfälle.

Schon der Titel «Doctor's Diary» sagt klipp und klar, woran sich die Serie, die von der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft produziert wird, orientiert. Man hätte ja auch einen deutschen Titel wählen können, doch internationales Denken steht natürlich im Vordergrund. Gretchen steht mit ihren persönlichen Problemchen im Fokus. Kurz und knapp könnte man die erste Folge als Versuch bezeichnen, der «Sex and the City»-Generation ein Format schmackhaft zu machen, welches nicht nur annähernd an die Klasse seiner Vorbilder heranreicht.

Wenn man dann noch «Doctor's Diary» mit der eigentlich längst vergessenen Serie «Verrückt nach Clara» vergleicht, in der auch eine Frau ihres Alters die Zuschauerschaft mit persönlichen Tagebucheinträgen überhäuft, muss das RTL-Format ebenfalls den kürzeren ziehen. Denn bei allen vermeintlichen Fehlern des ProSieben-Werks: Wenigstens haben die Bilder durch absolute Hochglanzoptik überzeugt und so ihren eigenen Style entwickelt.

Im Krankenhaus wimmelt es nur so von Stereotypen. Es gibt die Macker, die jeden kriegen, es gibt Arzthelferinnen, die glücklos in «Rosamunde Pilcher»-Romanen schwelgen und es gibt Sex-Bomben wie Gaby. Darüber hinaus werden klischeefördernde Lieder wie „Dreams are my Reality“ eingesetzt. Gretchens Entwicklung ist bereits in der Pilotfolge so sternenklar wie der Himmel einer lauen Sommernacht.

Es wird krampfhaft versucht, Situationskomik zu erreichen, was zu recht unlustigen Situationen führt. Wortwitz lässt sich auch nur selten erkennen. Am Ende wird dann noch irgendetwas von „heiler Welt“ und „innerer Schönheit“ gefaselt, was den Zuschauer herzlich wenig interessieren dürfte. Recht gute Unterhaltung wird zwar zusammenfassend geboten, doch die ganzen Negativaspekte sorgen für ein reichlich getrübtes Gesamtbild.

Die zweite Folge kann als klare Steigerung zum schwachen Auftakt gesehen werden. Ein Glück für RTL, denn nach dem Finale der zweiten Episode hat der Zuschauer mehr Gründe, am nächsten Montag wieder einzuschalten.

Gleich zu Beginn geht es recht rasant los: Zwei Finger einer Kundin werden im Baumarkt – nichts ahnend – gehäckselt. Gut, dass passenderweise die frisch gebackene Assistenzärztin Gretchen vor Ort ist, um ihr zu helfen. Simultan entwickelt sich im Krankenhau zwischen Dr. Marc Meier und Dr. Kaan ein handfester Streit. Die Ambition von Dr. Kaan, seinem Kollegen Marc Meier unbedingt eins auf die Mütze geben zu wollen, ist für den Zuschauer aber zunächst unersichtlich beziehungsweise albern.

Nach der etwas seltsamen Musikauswahl im Pilot sind die Entscheidungen hier deutlich besser gefallen. Es Nach dem wundervollen „No Surprises“ von Radiohead wird das ebenso großartige „Mondo Bongo“ von Joe Strummer angestimmt, welches schon in «Mr. & Mrs. Smith» zu hören war. Der Unterschied zu dem Hollywood-Blockbuster: Dort wurde das Musikstück bei der ersten Begegnung von Jane und John Smith kongenial eingesetzt, hier wirkt es fehl am Platz.

Die Suche nach dem weggeschmissenen Ringfinger, den die Verletzte für ihre Hochzeit doch am dringendsten braucht, entwickelt sich recht lustig und ist auch gut inszeniert. In diesen Minuten beweist die Serie zum ersten Mal richtiges Humorpotenzial.

Doch es gibt auch in der zweiten Folge negative Aspekte: Die plötzliche Schlagfertigkeit Gretchens im letzten Drittel kauft man ihr nicht ab. Die Entwicklung vom eingeschüchterten Mädchen am Anfang der Pilotfolge zur toughen Karrierefrau geht wesentlich zu schnell und führt zu Unverständnis. Auch die aufgezwungene Tragik gegen Ende der Episode wirkt aufgesetzt. Trotz alledem ist sie schon als deutlicher Fortschritt anzusehen.

RTL zeigt die ersten beiden Episoden von «Doctor's Diary» am Montag, den 23. Juni 2008 direkt nacheinander. Danach läuft wöchentlich eine Episode.

Kurz-URL: qmde.de/28046
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