«Abgehört» mit Bastian Bender

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Der 26-jährige Bastian Bender moderiert bei der Landeswelle Thüringen den Nachmittag und wurde vor wenigen Tagen für seinen Beitrag "Bender im Knast" mit dem Hörfunkpreis Mitteldeutschland in der Kategorie "Bester Beitrag" ausgezeichnet. Der Moderator über die Frage, wie solche Beiträge überhaupt ins private Radioprogramm passen.

Herr Bender, Sie arbeiten nun seit geraumer Zeit bei der Landeswelle Thüringen. Da Sie durch Ihr „Vorleben" aber auch andere Stationen kennen, unter anderem waren Sie ja bei hr3, wo liegen die Stärken und wo die Schwächen des Programms.
Mh, das ist immer schwer zu sagen, finde ich. Wir haben keine 15-köpfige Redaktion, die für das Tagesprogramm zuständig ist, wie so mancher öffentlich-rechtlicher Sender. Gerade dort sind natürlich mehr Leute im Einsatz, um durchs Land zu fahren. Trotzdem - und das ist eine Stärke - ist LandesWelle sehr nah am Hörer. Die schicken außergewöhnlich viele Mails oder rufen an, wenn ihnen was gefällt oder nicht gefällt. Gestern bin ich noch im Café angesprochen worden, von einer Hörerin, die meinte, dass ich im wahren Leben älter aussehe, als auf der Homepage - das ist also ein schmerzhaft ehrliches Verhältnis.

Wenn man sich an das Radio früherer Zeiten erinnert, dann bestach das unter anderem auch durch Folgendes: Es war immer jemand da – selbst nachts konnte man im Studio anrufen und mit dem Moderator sprechen. Bei Ihrem Sender gehen bereits um 20.00 Uhr die Studiolichter aus. Finden Sie das gut?
Herr Weis, da sind Sie bei mir an der falschen Stelle. Aber unser geschäftsführender Programmdirektor kann Ihnen sicher eine Antwort geben.

Und noch etwas hat sich geändert: Wurden früher die Moderatoren alle zwei, drei Stunden gewechselt, sind heute fünf Stunden die Regel. Wie anstrengend empfinden Sie solche Strecken?
Ich kenne die zwei-Stunden-Sendungen noch aus NRW. Die haben auch Spaß gemacht, aber viele Ideen konnte ich damals nicht umsetzen, weil die Sendezeit einfach nicht reichte. Wenn ich jetzt zu einem Thema mit Thüringern aus allen Regionen sprechen möchte, habe ich die Zeit dazu. Und wenn die Redaktion den Moderator dabei gut unterstützt, funktioniert das sehr gut. Die Technik macht's möglich, dass ich auch mal raus gehen kann, wenn drei Songs am Stück laufen.

Sie wurden kürzlich für Ihren Beitrag «Bender im Knast» mit dem Hörfunkpreis Mitteldeutschland in der Kategorie "Bester Beitrag" ausgezeichnet. Erzählen Sie doch zunächst einmal, um was es in dem Beitrag ging und wie Sie überhaupt auf die Idee kamen, so etwas zu machen.
Das Justizministerium hatte Journalisten und Politiker zu dieser Veranstaltung eingeladen: 24 Stunden in einem neuen Anbau der JVA Gräfentonna. Ich wurde gefragt, ob ich mitmache - und habe sofort zugesagt. Erst wurde geprüft, ob mein Führungszeugnis sauber ist, dann kam die feste Zusage, dass ich "rein" darf.

Wir erlebten also 24 Stunden unter nahezu echten Bedingungen, mit Einzelzelle, Gruppendusche, Knast-Essen, Gottesdienst neben der Turnhalle, Anti-Aggressions-Training und so weiter. Es gab auch informelle Parts wie einen Rundgang und ein Gespräch mit dem Justizminister. Ich hatte vorher länger überlegt, in welcher Form das Thema wohl am besten umgesetzt werden könnte und habe mich dann für einen Beitrag entschieden, mit vielen O-Tönen und passender Musik. Unser Producer Fabian Jimenez hat mir dabei geholfen.

Passen solche Beiträge überhaupt in privates Radio?
Warum nicht? Natürlich ist es wichtig, die typischen Privatradio-Aspekte nicht zu vergessen. Aber wenn ein Thema es hergibt, dann habe ich kein Problem, dazu einen längeren Beitrag auszustrahlen. Und ich finde, wenn sich der Nachmittags-Typi vom Radio hinter Gittern einem Anti-Aggressions-Seminar unterzieht, dürfen's mehr als 1:30 sein.

Kurz zur Erklärung, für alle, die sich nicht ganz so gut auskennen. 90 Sekunden - das ist die Richtzeit für viele Radiobeiträge. Als Sie dann erfahren haben, dass Sie diesen Preis bekommen – was waren Ihre ersten Gedanken?
Ich konnte es nicht glauben. Ich stand oben, zusammen mit den anderen Nominierten auf der Bühne und wusste nicht, was ich tun sollte. Dieser Zustand des Nichtglaubens hat noch einige Tage angehalten. Ich habe diesen Beitrag ja nicht gemacht, um einen Preis zu gewinnen, sondern um eine gute Mischung aus Information und Unterhaltung zu bringen. Und plötzlich hab ich eine Urkunde, eine Trophäe, einen Strauß und einen Check in der Hand. Das war schon ein verrückter Moment. Danach hab ich erst mal eine SMS an meine Eltern geschickt. Und anschließend wurde mit Kollegen gefeiert.

Im Normalfall hat man als täglicher Drive-Time-Moderator aber doch kaum Zeit für solche Geschichten, oder?
Na ja, die Sendung beginnt um 15.00 Uhr - den Vormittag über habe ich also Zeit, durch Thüringen zu fahren, wenn ich das möchte. Die 24 Stunden im Knast habe ich am Wochenende verbracht - sonst wäre es wirklich schwierig geworden.

Und letzte Frage, Herr Bender: Wenn Sie eine Woche lang Chef wären, was würden Sie bei Ihrem Sender in jedem und auf keinen Fall ändern?
Ich glaube, dass ich zu Recht Moderator bin - und nicht Chef. Und bei LandesWelle werden in meinen Augen die richtigen Entscheidungen getroffen, soweit ich das beurteilen kann. Also kann ich wirklich nur Kleinigkeiten ansprechen. Ich würde einen zusätzlichen Kühlschrank kaufen, denn in unserem wird's langsam eng. Aber so viel ich weiß, ist da ohnehin was geplant. Und ich würde auf keinen Fall das freitägliche Station-Grilling abschaffen, das würde nicht nur mir sehr fehlen... da schmeißen wir einen orange-farbenen Grill an, es gibt NATÜRLICH Thüringer Rostbratwurst und andere Leckereien, auch für die Vegetarier unter uns. So was sollte man auf keinen Fall ändern.

Vielen Dank für das Interview.

Kurz-URL: qmde.de/21560
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