Die Kritiker

«So weit das Meer»

von

Vor fünfzehn Jahren hat Wolf Harms den Vergewaltiger seiner Tochter erschossen. Irrtümlich. Doch anstatt diesen Fall als Drama zu betrachten, wählt der Film als Zugang eine laue Tätersuche.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Uwe Kockisch als Wolf Harms
Suzanne von Borsody als Uta Carstens
Katharina Schüttler als Jette Harms
Imogen Kogge als Agnes Harms
Tom Radisch als Peer Harms
Junis Marlon als Nils Harms
Wolfgang Häntsch als Beck

Hinter der Kamera:
Produktion: ndF neue deutsche Filmgesellschaft
Drehbuch: Paul J. Milbert und Sabine Radebold
Regie: Axel Barth
Kamera: Simon Schmejkal
Produzent: Matthias Walther
Vor fünfzehn Jahren hat Wolf Harms (Uwe Kockisch) den Vergewaltiger seiner Tochter aus Rache erschossen. Nun wurde er aus der Haft entlassen und kehrt zurück zu seiner kaputten Familie, die ihn liebevoll empfängt, aber nicht verhindern kann, dass die alten Wunden wieder aufbrechen. Zu seinem aus der Vergewaltigung entstandenen Enkel findet er nur schwer Kontakt. Seine Ehefrau Agnes (Imogen Koggen) lässt erst später erkennen, dass sie sich während seines Gefängnisaufenthalts partnerschaftlich neu orientiert hat. Und Tochter Jette (Katharina Schüttler) besteht darauf, dass der Alte die Vergangenheit ruhen lässt.

Doch der kann das nicht. Erst recht, als sich aufgrund eines DNA-Tests herausstellt, dass er damals den Falschen erschossen hat. Wolf wird besessen von der Idee, den wahren Schuldigen zu finden, und in seinem Verstand reiht sich eine fixe Idee und falsche Verdächtigung an die andere, bis er am Schluss – so simpel funktioniert die Dramaturgie des Films dann doch – natürlich den tatsächlichen Täter aufspürt und das Kapitel ein für allemal schließt.

Hierin liegt auch das größte Problem von «So weit das Meer»: Anstatt sich inhaltlich auf das Aufarbeitungsdrama zu konzentrieren, wird die Geschichte um eine Tätersuche herumgeschrieben, die thematisch nicht das wesentliche Merkmal dieses Stoffes ist. Viel spannender als die Identität der Person, die Harms‘ Tochter vor eineinhalb Jahrzehnten nachts über den Haufen gefahren und sich anschließend an ihr vergangen hat, wären doch die psychologischen Konsequenzen, die die Entwicklung dieser Ereignisse zur Folge haben.

Doch all diese psychologischen und ethischen Untersuchungsfelder werden fahrig geführt und bleiben oberflächlich. Dabei missfällt insbesondere, dass der alte Harms für das Verbrechen, damals einen Unschuldigen erschossen zu haben, keine nennenswerte seelische Abbitte leisten muss. Gleichzeitig wirkt Harms‘ Annäherung an die Familie seines Opfers, dessen Mutter Uta Carstens (Suzanne von Borzody) und ihre todkranke Tochter, in all ihren vorhersehbaren Wendungen zu forciert, bis am Schluss ein wichtiger Schritt zur Anerkennung des wechselseitigen Leids gemacht wird. Damit ist sicherlich nicht alles wieder gut, und doch geht das Drehbuch hier unpassend weit, um doch noch eine irgendwie positive Auflösung zu ermöglichen.

Gerade aufgrund der hervorragenden Schauspieler, mit denen dieser Film auch jenseits der talentierten Hauptdarsteller Uwe Kockisch und Suzanne von Borzody etwa mit Imogen Kogge in einer der spannenderen Nebenrollen besetzt ist, fällt das liegengebliebene Potential des Films besonders auf. Als Drama um Schuld, Sühne und Abbitte wäre dieser Stoff sehr spannend gewesen. Als emotionalisierende Tätersuche ist er hingegen eine glatte Themaverfehlung.

Das ZDF zeigt «So weit das Meer» am Montag, den 15. April um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/108628
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