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«Alita: Battle Angel»: Manga, adaptiert durch Robert Rodriguez und James Cameron

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Kultregisseur Robert Rodriguez inszeniert eine von James Cameron produzierte Manga-Adaption mit starken Effekten und unerwartet viel Herz.

Filmfacts «Alita: Battle Angel»

  • Regie: Robert Rodriguez
  • Produktion: James Cameron, Jon Landau
  • Drehbuch: James Cameron, Laeta Kalogridis
  • Basierend auf dem Manga von Yukito Kishiro
  • Darsteller: Rosa Salazar, Christoph Waltz, Jennifer Connelly, Mahershala Ali, Ed Skrein, Jackie Earle Haley, Keean Johnson
  • Musik: Tom Holkenborg
  • Kamera: Bill Pope
  • Schnitt: Stephen E. Rivkin
  • Laufzeit: 122 Minuten
  • FSK: ab 12 Jahren
Vor annähernd 20 Jahren sicherte sich «Titanic»-Regisseur James Cameron die Rechte, um den Manga «Battle Angel Alita» zu adaptieren. Schlussendlich hat sich Cameron jedoch zu sehr in die Welt seines Zwei-Milliarden-Dollar-Hits «Avatar» verliebt, um den Film selber zu inszenieren, so dass er einen anderen Filmemacher gesucht hat, um das von ihm mitverfasste Projekt umzusetzen. Den Zuschlag erhielt «Planet Terror»- und «Sin City»-Mann Robert Rodriguez, der mit «Alita: Battle Angel» seinen bislang kostspieligsten Film anpackt. Eine ungewöhnliche Paarung: Mainstream-Maestro und Big-Budget-Kontrollfreak Cameron auf der einen Seite, «Desperado»-Kultfilmer und Small-Budget-Improvisateur Rodriguez auf der anderen Seite. Eine Mischung, die ein reizvolles Ganzes ergibt: «Alita: Battle Angel» vereint den perfektionistischen Spezialeffekt-Prunk Camerons mit der "Alles geht, nichts muss"-Attitüde des Tarantino-Kumpels Rodriguez …

Die Erde im Jahre 2563 ist ein gigantischer Schutthaufen. Nur wenige Städte sind noch über, darunter Iron City, ein Ort, der im Schatten der wohlhabenden Himmelsstadt Zalem liegt. Auf dem naheliegenden Schrottplatz entdeckt Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz), der sich darauf spezalisiert hat, Menschen mit Cyborgteilen preisgünstige Reparaturen anzubieten, eines Tages einen ramponierten, weiblichen Cyborg, den er mit nach Hause nimmt und wiederherstellt. Er nennt das Cyborgmädchen Alita (Rosa Salazar) und erklärt ihm geduldig, wie die Gesellschaft aussieht und wie das Leben in Iron City abläuft. Doch die neugierige und muntere Alita hat auch eine rebellische Ader – und als Dr. Dyson Ido eines nachts mit rätselhaften Verletzungen nach Hause kommt, wird sie misstrauisch …

Der «Alita: Battle Angel»-Cast besteht unter anderem aus dem zweifach mit dem Oscar prämierten Christoph Waltz, Academy-Award-Gewinnerin Jennifer Connelly, dem einmal mit dem Oscar gekrönten Mahershala Ali (der in wenigen Tagen seinen zweiten Goldjungen gewinnen könnte) und dem einmal für den Academy Award vorgeschlagenen Jackie Earle Haley. Zudem absolviert ein dreifach Oscar-nominierter Schauspieler einen Cameo. Und doch ist es Rosa Salazar, die hier die mit Abstand beste schauspielerische Leistung vollbringt. Die 33-Jährige, die unter anderem in «Parenthood» und «Bird Box» mitgespielt hat, ist es, die «Alita: Battle Angel» eine Seele verleiht. Sie spielt die Titelheldin mit sensibler, lebensfroher Neugierde sowie mit eisernem Kampfeswillen und einem gewaltigen Dickschädel. Alitas komplexen, so unterschiedlichen Charakterzüge bringt Salazar durch eine nuancierte Mimik und ausdrucksstarke Gestik mühelos unter einen Hut.

Aber auch Waltz macht in dieser Manga-Adaption eine gute Figur: Als "Ziehvater" des titelgebenden Cyborgs bricht er aus dem Duktus heraus, den sich viele US-Filme von ihm wünschen, und gibt frei von Sarkasmus eine Vaterfigur mit kämpferischem Geheimnis. Mahershala Ali derweil bekommt wenig zu tun und wirkt ein wenig so, als hätte Robert Rodriguez von ihm verlangt, Wesley Snipes gegen Ende der 90er-Jahre zu imitieren. Jennifer Connelly ist sogar ein reiner Nebengedanke in diesem Film und spielt ihre dünn geschriebene Rolle, die sich stets so verhält, wie es die Szene gerade benötigt, damit der Plot vorwärts kommt, völlig steif und roboterhaft.

Der Großteil der charakterbezogenen Szenen drehen sich aber eh um Alita, die die Welt, sich selbst, ihre nebulöse Vergangenheit und ihren inneren Antrieb zu verstehen versucht. Diese Passagen sind nicht nur aufgrund Salazars feinfühligem Spiel sehr schön geraten, sondern auch weil das Drehbuch Alitas Findungsprozess (innerhalb der Sci-Fi-Action-Genreparameter) mit Herzlichkeit und Geduld anpackt. Schade bloß, dass die Feingleidrigkeit dieser Szenen mehrmals unterbrochen wird, wenn der im Robert-Rodriguez-Outfit gekleidete Keean Johnson («Nashville») als Hugo, Alitas bester Freund und heimlicher Schwarm, zuvor glaubwürdig und beiläufig formulierte Beobachtungen in schwerfällig-kitschiger Form erneut verbalisiert.

Wesentlich schmissiger sind die diversen Actionszenen: Seien es immer weiter eskalierende Cyborgkämpfe oder Sequenzen, in denen der fiktive Sport Motorball (eine Art «Rollerball» auf Speed) ausgeführt wird – Rodriguez inszeniert diese Szenen in einem mitreißenden Tempo und trumpft mit absurd-megalomanischen Ideen auf, die dennoch allesamt so implementiert sind, dass die Filmwelt kohärent erscheint. Die hochwertigen digitalen Trickeffekte, die nahtlos mit den real gefilmten Elementen zusammengebracht werden, tragen zur Plausibilität des mangainspirierten, teils sehr harten Sci-Fi-Wahnsinns massiv bei.

Das Schielen auf die Vorlage führt jedoch auch zu einem bedauerlichen Schwachpunkt des Films: Während der Film lange so operiert, dass die eigentliche Geschichte vor dem angedeuteten Hintergrund einer größeren Welt spielt, verlagert «Alita: Battle Angel» kurz vor Schluss den Fokus, so dass aus einer "Rund um unsere Hauptfiguren passiert noch so viel mehr, aber das ist bloß Hintergrundgeschehen mit Flair"-Story schlagartig ein gierig auf seine potentiellen Fortsetzungen schielender Franchiseauftakt wird. Das raubt diesem Film seine Wirkung, zumal äußerst unsicher ist, ob die vorbereiteten Sequels überhaupt kommen werden. Das nimmt dem toll gemachten Sci-Fi-Actionabenteuer mit Herz und wuchtigem Sounddesign, das bis dahin erzählt wurde, zwar nur ein Stückchen seines Unterhaltungsfaktors. Doch es ist ein Verlust, der vermeidbar gewesen wäre.

«Alita: Battle Angel» ist ab dem 14. Februar 2019 in vielen deutschen Kinos zu sehen – in 2D und gestochen scharfem 3D.

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